"Gerechtigkeitsbibeln" für den Bundestag: Lammert und Gysi loben Bedeutung der Bibel für die Politik

 

Im Rahmen der Aktion „Gerechtigkeitsbibeln für den Bundestag“ hat die Micha-Initiative allen 631 Abgeordneten Exemplare einer besonderen Bibelausgabe geschenkt, in der alle Verse zu den Themen Armut und Gerechtigkeit farbig hervorgehoben sind. Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert (CDU) und die Unterstützer Dr. Gregor Gysi (Linke), Kerstin Griese (SPD) und Frank Heinrich (CDU) bekamen die Bibeln am 30. Januar im Bundestag persönlich überreicht.
 
Bei der Übergabe lobte Lammert die Bibel als eines der „großen Bücher der Menschheit“. Die "Gerechtigkeitsbibel" sei zwar nicht die erste Bibel, die man ihm überreiche, aber als spezielle Ausgabe mit dem Fokus auf Gerechtigkeit sei sie besonders wichtig. Lammert zufolge sei die Bibel „gerade für Politiker ein wichtiges Instrument und als Bestandteil ethischer Orientierung schwer verzichtbar - aber ein Regiebuch für politisches Handeln ist sie nicht“. Es bedürfe intensiver Arbeit, um von den biblischen Botschaften zu eigenen politischen Überzeugungen zu gelangen.
 
Linken-Fraktionschef Gysi machte deutlich, dass er als Atheist nicht antireligiös eingestellt sei und er insbesondere das Neue Testament schätze. Außerdem finde er den Einfluss von Kirchen und Religion in der Gesellschaft wichtig. Nur sie wären in der Lage, ein Verständnis für allgemeinverbindliche Normen zu vermitteln. Allerdings unterstrich Gysi auch die Wichtigkeit der Trennung von Kirche und Staat – gerade beim Einsatz von Christen für Gerechtigkeit: „Immer wenn die Kirche den politischen Eliten zu nahe stand, hat sie viele Grundsätze aus der Bibel verletzt“.
 
Kerstin Griese, Vorsitzende des Sozialausschusses und Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche, dankte der Micha-Initiative für die Erinnerung, worum es in der Politik eigentlich gehen solle, „nämlich das Leben für die Menschen besser zu machen“. Das habe viel mit Gerechtigkeit zu tun. Für sie selbst sei die Bibel die Wertegrundlage, auf der sie Politik mache. Allerdings verstehe sie die Bibel weniger als Nagivationssystem, das konkrete Anweisungen gebe, sondern eher als einen Kompass, den man selbst in die Hand nehmen und mit dem man arbeiten müsse, um Orientierung zu erhalten.
 
Der ehemalige Heilsarmeeoffizier und jetzige CDU-Abgeordnete Frank Heinrich erzählte, dass ihm gerade bei der Arbeit mit den Ärmsten der Gesellschaft der Leitvers der Micha-Initiative Micha 6,8 besonders wichtig geworden sei. Dabei gehe es darum, Gerechtigkeit zu üben, anderen mit Güte zu begegnen und in Ehrfurcht vor Gott zu leben. Er plädierte dafür, die Bibel sowohl persönlich, als auch politisch zu verstehen. Auch die Bergpredigt müsse man zunächst als Botschaft an sich selbst verstehen, bevor man ihre politische Dimension bedenke.
 
Auch der Grünen-Politiker Dr. Konstantin von Notz zählt zu den Unterstützern der Bibelaktion. In einem schriftlichen Statement erklärte er: „Die Ungleichverteilung von Reichtum und Wohlstand ist zugleich zweifellos eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Ich begrüße es, dass die Gerechtigkeitsbibel den Fokus auf diese nicht nur für die Christenheit so entscheidenden Themen lenkt“.
 
Rolf Zwick, der Vorsitzende der Micha-Initiative in Deutschland, freute sich über die Unterstützung aus allen Bundestagsfraktionen und hofft, dass die Gerechtigkeitsbibel nachhaltige Wirkung zeigen wird: „Wir glauben, dass insbesondere das Thema Gerechtigkeit Maßstäbe für die Politik im Land und weltweit setzen muss. Deshalb möchten wir allen Abgeordneten diese Bibel zukommen lassen, in der über 3.000 Verse markiert sind, die etwas mit Armut und Gerechtigkeit zu tun haben“.
 
Die Micha-Initiative ist eine weltweite christliche Kampagne für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und für globale Gerechtigkeit. In Deutschland wird die Arbeit von der Deutschen Evangelischen Allianz getragen und von mehr als 40 weiteren christlichen Organisationen und Verbänden unterstützt. Zum Unterstützerkreis der Initiative und zu den Herausgebern der "Gerechtigkeitsbibel" zählen Compassion Deutschland, IJM Deutschland, die Kindernothilfe, das Marburger Bildungs- und Studienzentrum, Opportunity International und World Vision Deutschland.

 


Pfarrer Rolf Zwick (r.) übergibt Bundestagspräsident Lammert ein Exemplar der Gerechtigkeitsbibel.

 

 


Rolf Zwick (2.v.l.) und Dr. Norbert Lammert (3. v.l.) zusammen mit den unterstützenden Abgeordneten Dr. Gregor Gysi (l.), Kerstin Griese (2.v.r.) und Frank Heinrich (r.). Bildquelle: Micha-Initiative.