Micha-Gruppe Marburg: 33.000 Unterschriften für "faire Nutella"


Die Marburger Lokalgruppe der Micha-Initiative hat am vergangenen Freitag in Marburg mehr als 33.000 Unterschriften an den Schokoladenhersteller Ferrero übergeben. Mit der Petition „Nutella soll fair werden“ fordert sie den Konzern dazu auf, Kakao aus fairem Handel zu beziehen und Produkte, wie den beliebten Brotaufstrich, entsprechend zertifizieren zu lassen.

Almut Feller, Leiterin für Unternehmensverantwortung bei Ferrero Deutschland, nahm die Unterschriften für den Konzern entgegen. In einer anschließenden Podiumsdiskussion betonte sie, dass es Ferrero ein großes Anliegen sei, dass missbräuchliche Kinderarbeit im Kakaosektor in Westafrika bekämpft werde. Allerdings gebe es neben dem Ansatz des Fairtrade-Siegels noch andere wirksame Zertifizierungsmodelle wie etwa die "Rainforest Alliance" und "UTZ Certizified". Zum anderen sei aber auch die Armut in westafrikanischen Ländern so herausfordernd, dass höhere Standards im Kakaoanbau allein im Kampf gegen Kinderarbeit nicht ausreichend seien.

Der Geschäftsführer von Fairtrade Deutschland, Dieter Overath, zeigte sich dennoch optimistisch, dass man Ferrero langfristig vom Fairtrade-Siegel überzeugen könne. Man sei mit dem Konzern bereits im Gespräch und habe erste Schritte vereinbart. Entscheidende Vorteile des Fairtrade-Prinzips seien, dass Mindestpreise für die Bauern und eine zusätzliche Prämie für die Kooperativen gezahlt würden und Kinderarbeit verboten sei. Ein weiterer Vorteil gegenüber anderen Zertifizierern sei zudem, dass die Kakaobauern selbst bestimmen könnten, für welche Projekte Gelder aus Prämien investiert würden. Darüber hinaus seien die Produzentenvertreter, die 50% der Aufsichtsratsmitglieder im Weltverband des fairen Handels ausmachten, in der Lage, die Gestaltung von Mindestpreisen, Prämien und Standards mitzubestimmen.

Deutliche Kritik an Ferrero äußerte Iris Degen von den Weltläden Hessen. Sie stellte heraus, dass die "Rainforest Alliance" und "UTZ Certified" keine Mindestpreise an die Bauern zahlten und dass Ferrero bei der Zusammenarbeit mit diesen Siegeln keine wirksamen Schritte gegen Kinderarbeit unternehme.

Der hessische Europa-Abgeordnete Michael Gahler erklärte, dass eine Verbesserung von Sozialstandards in großen Teilen zwischen Firmen, Verbrauchern und zivilgesellschaftlichen Organisationen ausgehandelt werden könnten. Dennoch gebe die Politik wichtige Leitlinien vor, wie es die Europäische Union gerade erst kürzlich mit strengeren Transparenz-Richtlinien für den Bergbausektor getan habe, die Korruption verhindern sollen.

Pfarrer Helmut Heiser war als Vertreter der Marburger Micha-Gruppe an der Diskussion beteiligt. Er unterstrich noch einmal, dass Ferrero in den Vorgesprächen durchaus zugegeben habe, dass es Missstände im Kakaosektor gebe. Gleichzeitig begrüßte er die Ankündigungen Ferreros, mehr dagegen tun zu wollen. Nun seien konkrete Taten nötig.

In Grußworten betonten sowohl Karl Böttner, Vorsitzender der örtlichen Evangelischen Allianz, als auch Dr. Franz Kahle, Bürgermeister der Stadt Marburg (Grüne) die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und christlichen Gemeinden beim Engagement für den fairen Handel. Weitere Grußworte sprachen Detlef Ruffert, Kreistagsvorsitzender von Marburg Biedenkopf, und Propst Helmut Wöllenstein von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck.

Laut dem Theologen Dr. Tobias Faix, der die Übergabe der Petition in einem wirtschaftsethischen Vortrag reflektierte, glich der Abend einer  „liebevollen Umarmung“ für Ferrero. Er freue sich über das konstruktive Miteinander:  „Gelobt wurde von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die gute Atmosphäre der ganzen Kampagne und beim Aktionstag. 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen, diskutierten engagiert mit und sind nun gespannt, wie es weiter geht.“

Nach den insistierenden Nachfragen des Moderators, dem Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Harald Jung, verständigten sich die Podiumsgäste auf einen Termin im Sommer 2014, bei dem man die Fortschritte diskutieren will.

Die Micha-Initiative ist eine weltweite christliche Kampagne für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und für globale Gerechtigkeit. In Deutschland wird sie von der Deutschen Evangelischen Allianz getragen. An 14 Orten gibt es in Deutschland Micha-Lokalgruppen.

Mehr Informationen zur Petition gibt es auf www.change.org/nutella.

Podiumsdiskussion Marburg

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion am 21. Juni 2013 in Marburg. V.l.n.r.: Pfarrer Helmut Heiser, Iris Degen, Dieter Overath, Almut Feller, Michael Gahler, Dr. Franz Kahle, Prof. Dr. Harald Jung. Bild: privat.