
Bildquelle: World Vision International
„Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder Not leiden und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm?“ (1. Johannes 3, Vers 17)
Dass jeder Mensch über das elementar Notwendige zum Überleben verfügt, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber der weltweite Wohlstand ist enorm ungleich verteilt. Über viele Jahre ist die Kluft zwischen denen, die „Güter haben“ und denen, die „Not leiden“ immer größer geworden. Etwa 1,4 Milliarden Menschen, etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung, müssen von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag leben. Wenn es mir gut geht, kann es mich dann kalt lassen, dass so viele meiner Mitmenschen leiden? Wenn wir alle im Bilde Gottes Bilde geschaffen sind, kann es dann gerecht sein, dass einerseits Menschen im Überfluss leben, andererseits Menschen Mangel leiden und unter dem Existenzminimum leben?
Einkommensarmut
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Menschen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag (Quelle: worldmapper.org). |
Die weltweite Wirtschaftskrise hat nach Schätzungen der Weltbank dazu geführt, dass seit 2008 weitere 89 Millionen Menschen in extreme Armut abrutschten. Etwa 1,4 Milliarden Menschen, mehr als ein Viertel der Bevölkerung in den Entwicklungsländern, lebt unterhalb der internationalen Armutsgrenze, also von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Im Jahr 1990 waren es noch 1,8 Milliarden Menschen. Der Anteil der Menschen in absoluter Armut an der Weltbevölkerung hat sich damit von 46 Prozent im Jahr 1990 deutlich reduziert. Bereits 2005 lag er bei 27 Prozent. Auch wenn sich die bisherigen Entwicklungen fortsetzen, werden im Jahr 2015 jedoch immer noch etwa 920 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben (etwa 15 Prozent der Bevölkerung der Entwicklungsländer).
Hunger
Nach einer Schätzungen der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung litten im Jahr 2010 etwa 925 Millionen Menschen unter Hunger und Unterernährung – so viele wie nie zuvor, auch wenn der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung in den vergangenen Jahren gesunken ist. Im Jahr 2011 wird die Weltbevölkerung die 7-Milliarden-Grenze überschreiten. Obwohl noch nie so viele Menschen auf der Welt gelebt haben, wäre es eigentlich problemlos möglich sie zu ernähren. Einen objektiven Mangel an Lebens- und Nahrungsmitteln gibt es nicht. Nach dem Welternährungsbericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen könnten wir schon jetzt mit unserer Landwirtschaft bis zu zwölf Milliarden Menschen ernähren. Doch die Ressourcen sind ungleich verteilt. Es fehlt an einem gerechten Zugang und einer gerechten Nutzung der Ressourcen.
Die Hälfte aller Hungernden weltweit sind Kleinbauern. Sie leiden besonders unter fehlenden Absatzmärkten, schlechten Handelsbedingungen, dem Verlust von Anbaufläche und den negativen Folgen des Klimawandels. Bessere Handelsbedingungen für Entwicklungsländer, Unterstützung bei der Entwicklung nachhaltiger Anbaumethoden und die Bekämpfung von Spekulationen mit Agrarrohstoffen sind von zentraler Bedeutung, um hier Verbesserungen zu erreichen.
Auch wenn damit die Zahlen dafür sprechen, dass das erste Millenniumsziel noch erreicht werden kann - die Fortschritte fanden vor allem in Ost- und Südost-Asien statt, insbesondere in China und Indien. Kaum Fortschritte, zum Teil sogar Rückschritte, hat es dagegen in Zentral- und West-Asien sowie in Afrika südlich der Sahara gegeben, einer von Armut und Unterernährung besonders betroffenen Region. Immer noch leben hier die Hälfte der Menschen von weniger als 1,25 US-Doller pro Tag und leidet mehr als ein Viertel der Bevölkerung unter Hunger. Die begrenzten Fortschritte und das bisherige Engagement reichen bei weitem nicht aus, um das erste Millenniumsziel bis 2015 zu erreichen.
Quelle: Vereinte Nationen: Millenniums-Entwicklungsziele Bericht 2010, New York 2010.