Rückblick und Ausblick Vernetzungstreffen 2016

Eindrücke und Einblicke ins Micha-Vernetzungstreffen 2016 in Marburg  


Es war eine wunderbar ermutigende und inspirierende Zeit mit uns und euch allen - Danke dafür an alle "Michas" und "Michaelas" vom diesjährigen Vernetzungstreffen! 


„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und
was Gott von dir erwartet, nämlich: Recht üben,
Gemeinschaftssinn lieben und aufmerksam mitgehen mit deinem
Gott.“
(Micha-Vers/Micha 6:8, Übers. Hans Walter Wolff/Friedbert Neese)

 



Rückblick von Christian:


"Das Vernetzungstreffen, dieses Jahr unter der Überschrift “Menschenwürde3 – Glaube, Lebensstil, Politik”, habe ich erlebt als eine Zeit der Retrospektive, Introspektion und Perspektive.

Retrospektive, da ‘Micha’ 10 Jahre wurde und es so Anlass zum Resümieren, dankbaren Rückblicken und natürlich zum Feiern gab. Was klar wurde: ‘Micha’ hat sich mächtig entwickelt, hin zu einer Organisation, die sowohl eine Stimme in der Politik hat als auch in Gemeinden deutschlandweit aufzeigt, wie Verantwortung für die uns anvertraute Schöpfung praktisch aussehen kann.

Introspektive und erneute Standortbestimmung insbesondere durch den neuen Rahmen, welchen die neu gesteckten UN - Nachhaltigkeitsziele (SDGs) geben. Die Vorträge von Dr. Göbel und Prof. Dr. Faix gaben hier wichtige informative und theologische Impulse; hieraus resultiert auch einer meiner Vorschläge für das Wort des Jahres: Nefesch.

Perspektive, da das Jubiläum, der neue Rahmen mit den SDGs und die neue Organisationsform von ‘Micha' Anlass gaben, gemeinsam sich Gedanken zu machen, wie ‘Micha' in Zukunft aussehen kann. Hierzu wurde in verschiedenen Gruppen kräftig diskutiert und Konzepte entworfen. Es war toll die Begeisterung zu erleben und wie der Wunsch, aktiv Teil von ‘Micha’ zu sein, Ausdruck fand. Mit diesem Momentum bin ich gespannt, was uns dieses  und die nächsten Jahre alles bringen werden."




 

Mehr Fotos gefällig? 10 Jahre Micha in Deutschland. Ein Video mit Rückblick auf Aktionen, Kampagnen und parlamentarische Abende. Ebenfalls könnt ihr die Abendbesinnung von Friedbert Neese nachlesen.

Vorträge vom Vernetzungstreffen:

 


 

Auch das Künstler-Kollektiv von der "Stimme erheben"-Cd hat das Vernetzungstreffen kreativ sehr bereichert.

Beispielhaft gibt's hier den vorgetragenen Text "WO IST DEIN GOTT JETZT?" vom Wortkünstler Marco Michalzik

 

WO IST DEIN GOTT JETZT?

Wo bist du? Kannst du mir nicht sagen, wo du bist? Denn ehrlich gesagt, manchmal seh‘ ich dich nicht. Ich wach schon mal am Morgen auf und bin mir nicht mal sicher, ob und wenn ja was ich überhaupt noch glaub. 

WO BIST DU?

Nenn mich Schwätzer oder Ketzer, aber ich frag mich oft in meinem Leben: „Ist es so, dass Gebete wirklich was bewegen, oder bleiben die Worte an der Zimmerdecke kleben wie Spinnweben? 

WO BIST DU? 

Und während ich nachdenkend da sitz‘,  erreicht mich die Nachricht, dass ein Freund nicht mehr da ist. Panik, als klar ist, dass das real ist Und wie soll ich akzeptieren,  dass so was dein Plan ist?  Sie sagen Unfall, manche Schicksal, andere Fügung, einige Zufall! Und ich weiß nicht, was ich sagen soll. 

WO BIST DU?

Ganz im Ernst – lässt du dich blicken im Schmerz, oder überlässt du uns einfach uns selbst? Wo bist Du? Hast Du den ersten Menschen gefragt, als dieser die Entscheidung traf,  nicht zu hören auf deinen Rat und Warnungen mit Füßen trat.  Und vielleicht hab ich kein Recht zu fragen, auch keinen Grund mich zu beklagen,  aber wenn du mich fragst, darf ich dann auch dich fragen – wo bist du?  Und warum gibst du auf warum nie ne Antwort?  Ich fand dort, wo sie mir Antwort versprachen nur Schubladen –  Vollgestopft mit Phrasen und weiteren Fragen, die allesamt die Sehnsucht  und das Echo von „WO BIST DU?“ in sich tragen.

Ich schalte den Fernseher an, um abzuschalten und muss so denken: Wo bist du an geschlossenen Grenzen,  wo Menschen vor Kämpfen fliehen und in Wellen der Ablehnung ertrinken.  Hochwasserpegalhöchststand weltweit durch Tsunamis unserer Gleichgültigkeit. 

Du sagst, du bist der gute Hirte – bist du dann da in Krisenherden und Kriegsgebieten,  Wo bist du zwischen Granaten und Landminen und in dem Land mit Minen,  in denen Kinderhände unseren Luxus garantieren. 

WO BIST DU?

Und ich ertappe mich dabei zu fragen, wie es die Psalmisten hinbekamen, nach Verse langem Klagen am Ende deinen Namen groß zu machen, zu dir aufzuschauen und was übrig bleibt, ist dann Vertrauen.  Irgendwie! Und ich frag mich wie! 

Klar, Glaube ist ein Überzeugtsein von etwas, das man nicht sieht.   Aber manchmal wünsch ich mir umso mehr es wär umgekehrt und ich könnt unbeschwert  sehen und greifen, was ich so nicht begreife.  Und ja, mir geht es gut.  Ich habe Millionen Gründe dankbar zu sein. Aber macht es das nicht umso schlimmer?  Denn wenn das wirklich alles Segen und von dir gegeben ist,  tut mir leid, warum ist der Segen dann so unfair verteilt? Darf ich das überhaupt sagen? Mir anmaßen dich anzuklagen?  Und hast Du nicht gesagt, wer dich sucht, von dem lässt du dich finden? Irgendwie komisch,  aber hast Du nicht sogar gesagt, du bist in mir drin?  Und vielleicht – geht das auch wirklich zu weit, weil meine Anklageschrift bereits beim Unterzeichnen meinen eigenen Namen schreit: Wo bist du? Hast du nicht gesehen, wo wir waren und wenn du doch kannst warum hast du nichts dagegen getan? Beschämtes Erkennen, du könntest mich das selbe fragen!  Hast Du nicht uns erwählt? Gesagt ihr seid das Licht der Welt, und wenn das stimmt, wieso ist es hier dann nicht so hell?

Und ich beginne zu begreifen, dass meine anfänglichen Fragen und Zweifel in Wahrheit die Antworten sind. Dass jede Not, die ich seh, mich einlädt ihr zu begegnen.  Oh was für ein tiefes Geheimnis, dass der Schöpfer des Universums in mir, der so klein ist,  daheim ist. 

Wo bist Du? Du lebst in mir und willst durch mich Menschen begegnen, Hoffnung sähen, damit sie Hoffnung sehen. Und das klingt so Verstand übersteigend extrem. Und trotzdem – auch so wunderschön! Lass mich mit deinen Augen sehen! Auch wenn das heißt, ich seh oft nichts vor lauter Tränen! Sind wir nicht dein Leib? Deine Körperteile? Also lass uns doch deine Hände sein, die helfen und die Wunden heilen, Füße die herbeieilen um Frieden zu verbreiten und Arme die sich weit öffnen, um die willkommen zu heißen, die wo sie daheim waren nun nicht bleiben können. 

Lichter der Welt – Feuerzeuge, Taschenlampen und Fluchtlichter: Die Frage ist nicht wo ist ER? Sondern wo sind wir? Wo bist Du? Und seh ich zu oder lass ich zu, dass am Ende des Tages meine eigene Frage zu mir spricht – vielleicht wie für mich in einem Gedicht – vielleicht auch nicht – was am Ende bleibt ist die Frage 

WO DU BIST?!  


Text: Marco Michalzik / Musik: Dario Große, Philip Müller Idee, Thema & Kampagne: LIVEWORSHIP Düsseldorf, Daniel-John Riedl WO IST DEIN GOTT JETZT? | www.wodubist.de CD: WO DU BIST | März 2015 | SCMedien Musikverlag, Holzgerlingen WWW.LIVEWORSHIP.DE